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"Ich wünsche, dass eine solche
Ordensgemeinschaft besteht" (Tagebuch, 437).

"Ich vertraue dir zwei Perlen an,
die Meinem Herzen sehr teuer sind;
das sind die Seelen der Priester und Ordensleute.
Für sie wirst du besonders beten,
ihre Stärke wird in eurer Abtötung liegen" (Tagebuch, 531).

 

DIE ORDENSGEMEINSCHAFT
DER SCHWESTERN VOM BARMHERZIGEN JESUS


Vilnius, Litauen "29 Juni, 1935. Als ich mit meinem Seelenführer über verschiedene Dinge, die der Herr von mir verlangte, sprach, meinte ich, er würde mir antworten, daß ich zu solchen Dingen nicht fähig sei und daß der Herr elende Seelen, wie mich, zur Durchführung Seiner Werke nicht benutze. Ich hörte jedoch die Worte, daß Gott am häufigsten eben solche Seelen zur Ausführung Seiner Vorhaben erwähle. Dieser Priester wird von Gottes Geist geführt.
Er durchdrang das Geheimnis meiner Seele, sogar die verborgensten Dinge, die zwischen mir und Gott bestanden und von denen ich mit ihm noch nicht gesprochen hatte, und zwar deshalb, weil ich sie selbst nicht ganz verstand und weil der Herr mir nicht ausdrücklich befohlen hatte, sie zu sagen. Das Geheimnis ist dies, daß Gott eine Ordensgemeinschaft verlangt, die Gottes Barmherzigkeit in der Welt verkünden und sie für die Welt erbitten soll. Als mich der Priester fragte, ob ich diesbezüglich eine Eingebung hatte, entgegnete ich, daß ich keine deutlichen Anordnungen bekam. Doch da kam plötzlich sonderbares Licht in meine Seele und ich erkannte, daß der Herr durch diesen Priester spricht. Umsonst verteidigte ich mich, daß ich keinen deutlichen Befehl hatte, denn am Ende des Gesprächs erblickte ich Jesus auf der Türschwelle so, wie Er auf dem Bild gemalt ist.
Er sagte zu mir: Ich wünsche, daß eine solche Ordensgemeinschaft besteht. (...) Am nächsten Tag, während der heiligen Messe, gleich zu Beginn, erblickte ich Jesus in unaussprechlicher Schönheit. Er sagte mir, Er verlange, daß die Ordensgemeinschaft so schnell wie möglich gegründet wird. Du wirst mit deinen Mitschwestern in dieser Gemeinschaft sein. Mein Geist wird eure Lebensregel sein. Euer Leben soll an Mir Beispiel haben, von der Krippe angefangen bis zum Sterben am Kreuz. Versenke dich in Meine Geheimnisse und du wirst den Abgrund Meiner Barmherzigkeit zu den Geschöpfen und Meine unergründliche Güte begreifen. Diese Güte wirst du der Welt zu erkennen geben. Durch Gebet wirst du zwischen Himmel und Erde vermitteln. Die Zeit zum Kommunionempfang war herangerückt. Jesus verschwand und ich sah eine große Heiligkeit. Da hörte ich die Worte: Wir erteilen dir Unseren Segen…“ (Tagebuch, 436 -439).



"...ich sah eine Kapelle und in ihr sechs Schwestern beim Empfang der heiligen Kommunion, die unser Beichtvater, mit dem Chorrock und der Stola bekleidet, erteilte. In dieser Kapelle gab es sowohl keine Verzierungen als auch keine Betstühle. Nach der heiligen Kommunion erblickte ich Jesus in solcher Gestalt, wie auf dem Bild. Jesus ging vorüber und ich rief: Wie kannst Du, der Herr, vorübergehen, ohne mir etwas zu sagen? Ich werde nichts selber ohne Dich tun können, Du musst bei mir bleiben. Segne mich, diese Kongregation und mein Vaterland. Jesus zeichnete ein Kreuz und sagte: Fürchte nichts, Ich bin immer mit dir" (Tagebuch, 613).



"O mein Jesus, ich freue mich außerordentlich über die Gewissheit, die Du mir gegeben hast, dass diese Ordensgemeinschaft bestehen wird (...) und ich sehe, welch großes Lob sie Gott darbringen wird. Sie wird Spiegel der größten Eigenschaft Gottes sein, der göttlichen Barmherzigkeit. Unaufhörlich werden die Mitglieder für sich und für die ganze Welt Gottes Barmherzigkeit erbitten und jede Tat der Barmherzigkeit wird aus der Liebe Gottes fließen, von der sie erfüllt sein werden. Sie werden bemüht sein, sich die große Tugend Gottes selbst anzueignen, in ihr zu leben und besorgt sein, daß andere sie erkennen und der Güte Gottes vertrauen" (Tagebuch, 664).

"Ich vertraue dir zwei Perlen an, die Meinem Herzen sehr teuer sind: das sind die Seelen der Priester und Ordensleute. Für sie wirst du besonders beten. Ihre Stärke wird in eurer Abtötung liegen. Gebete, Fasten, Abtötung, Arbeit und alle Leiden wirst du mit Meinem Gebet, Fasten, Abtötung, Arbeit und Leiden vereinigen; dann werden sie Macht haben vor Meinem Vater. (...) Vertiefe dich in den Geist meiner Armut und richte alles so ein, dass die Ärmsten dich um nichts zu beneiden haben. Nicht an Gebäuden und herrlichen Einrichtungen finde Ich Gefallen, sondern an einem reinen und demütigen Herzen" (Tagebuch 531-532).

"Heute stellte der Herr mir im Geiste das Kloster der Göttlichen Barmherzigkeit vor. Ich sah in ihm einen großen Geist, aber alles arm und sehr bescheiden. O mein Jesus, Du erlaubst mir geistig mit diesen Seelen Umgang zu pflegen und vielleicht werde ich diesen Ort nie betreten; aber gesegnet werde Dein Name und geschehen wird das, was Du beabsichtigst" (Tagebuch, 892).



Der Priester Sopocko begegnete der Schwester Faustina in Krakau zweimal innerhalb der letzten Wochen vor ihrem Tod. Während dieser Treffen bekam er die letzten Weisungen, das Testament, das er nach ihrem Tod ausführte.

"Tagebuch“ des Priesters M. Sopocko:

"Ich besuchte sie während der Woche und ich unterhielt mich mit ihr unter anderem über diese Ordensgemeinschaft, die sie gründen wollte, und jetzt stirbt sie, unterzeichnend, dass es eine Täuschung war, sowohl das, als auch alle anderen Sachen, über die sie geredet hatte. Schwester Faustina versprach über dieses Thema mit dem Herrn Jesus bei dem Gebet zu sprechen. Am folgenden Tage hielt ich eine Messe für Schwester Faustina, während der Messe kam mir der Gedanke in den Sinn, dass so wie sie dieses Bild nicht malen konnte, und nur zeigte, genauso könnte sie die neue Ordensgemeinschaft nicht gründen, und wird nur die Rahmenweisungen geben. Das Drängen bedeutete aber, dass diese neue Ordensgemeinschaft in den kommenden schlimmen Zeiten notwendig war. Als ich danach zum Krankenhaus kam und fragte, ob sie etwas darüber zu sagen hat, antwortete sie, dass sie nichts sagen muss, weil mich der Herr Jesus schon während der Messe erleuchtete.

Bei der Abfahrt beim Abschied sagte sie mir drei wichtige Sachen.
I. Ich soll nicht aufhören, den Kult der Barmherzigkeit Gottes zu verbreiten und besonders das Fest am ersten Sonntag nach Ostern festzusetzen. Ich kann nie sagen, dass ich genug getan habe. Auch wenn sich die größten Schwierigkeiten stauten, auch wenn es schien, dass Gott Selbst es nicht will, man kann nicht aufhören.
Die Tiefe der Barmherzigkeit Gottes ist unerschöpflich und die Zeit unseres Lebens reicht nicht, um sie zu loben. Die Welt wird nicht mehr lange existieren und Gott will noch vor ihrem Ende den Menschen die Gnade erteilen, damit niemand sich beim Gericht ausreden könnte, dass er über die Güte Gottes nicht wusste und von Seiner Barmherzigkeit nicht gehörte hatte.
II. Bei den Sachen der Ordensgemeinschaft lieber gleichgültig sein, die Ordensgemeinschaft beginnt sich von den geringfügigen, kleinen Sachen und dann, wenn die Initiative von den anderen ausgeht. (...) Gott selbst wird eine Person aus der Welt herführen, die gewisse Zeichen zur Erkennung haben wird, dass sie es ist.
III. Reine Intentionen in dieser ganzen Sache und der Tätigkeit haben. Anstatt sich selbst, nur den Ruhm Gottes und die Erlösung der Nächsten suchen. (...) Wenn die Ordensgemeinschaft entstehen würde, lieber sich von den Anderen leiten lassen, als selber zu leiten; auf größte Schwierigkeiten und Einsamkeit, Enttäuschungen, Undankbarkeit und Verfolgung vorbereitet sein. (...) Als ich nach einer Weile zur Zelle zurückkam, um ihr ein paar Bildchen zu geben, fand ich sie in der Gebetbegeisterung, wie ein himmlisches Wesen. Ich fühlte einen großen Schmerz in der Seele und eine Bitterkeit, dass ich diese ungewöhnliche Person verabschieden muss, dass ich zurzeit durch alle verlassen bin. Aber ich verstand, dass gerade ich der Barmherzigkeit Gottes vertrauen soll".

Der Priester Michael Sopocko hielt sich an die Worte, die er vor dem Tod der Schwester Faustina bekam. Er wartete also geduldig auf ein Zeichen des Willen Gottes.



Im Jahre 1939 brach der zweite Weltkrieg aus. In dieser grausamen Zeit machte der Priester Michael Sopocko, was er konnte, um den Menschen von der Barmherzigkeit Gottes zu erzählen. Bei dem Priester Sopocko zu Hause fanden die Treffen des Verbandes der Katholischen Intelligenz und Mariensolidazion der Akademikerinnen statt. Auf diesen Versammlungen zeichnete sich eine Absolventin der klassischen Philologie der Batory Universität - Jadwiga Osinska aus. Eines Tages gestand Osinska dem Priester Sopocko, dass sie sich ausschließlich dem Dienst für Gott hingeben möchte, aber für sich keinen entsprechenden Orden finden kann. Sie bat um Gebet und Hilfe,
und fügte hinzu, dass sie ein paar Kolleginnen hat, die genauso dachten.

Im Juli 1940 schlug der Priester Sopocko Osinska die Sommerferien bei den Engelschwestern (Schwestern ohne Habit) in Pryciuny vor, damit sie näher die Regel des Ordenslebens kennenlernen konnte. Nach der Ferien stellte Jadwiga Osinska fest, dass sie beschloss, "sich dem Dienst des Barmherzigsten Erlösers zu opfern und eine neue Ordensgemeinschaft oder etwas Ähnliches zu gründen, um Gott in Seiner unendlichen Barmherzigkeit zu loben" und dass sie private Gelübde ablegen möchte. Durch Erinnerung und Faszination an die Schwester Faustina Kowalska (drei Jahre nach dem Tod der Schwestern Faustina) nahm sie den neuen Ordensname Faustina an - sie wurde die erste „Faustynka“.

Im November 1941 tauchte aus der Gruppe, die von den Priester Sopocko geführt wurde,
eine nächste Kandidatin hervor- Izabela Naborowska (S. Benigna). Danach schlossen sich
am 26. Januar 1942 weiter an sie an: Ludmila Roszko, Zofia Komorowska, Adela Alibekow
und Jadwiga Malkiewiczówna. Auf diese Weise entstand die "erste Sechs". Der Priester Sopocko gab ihnen allen die Ordensnamen. Er schrieb für sie ein Rahmenprogramm und setzte eine wöchentliche Konferenz über das innere Leben fest. Ein gemeinsames Leben planten die Schwestern nach dem Kriegsende anzufangen.

Während der andauernden Kriegsbelagerung veranstalteten die Deutschen eine Großaktion gegen den Klerus. Am 3. März 1942 wurden Professoren uns Alumni des Priesterseminars als auch fast alle in Wilna arbeitenden Priester verhaftet. Auch in der Wohnung des Priesters Sopoćko stellten sie eine Falle. Er wurde rechtzeitig gewarnt und verließ verkleidet die Stadt, um zum Kloster der Ursulinenschwestern in Czarny Bór zu gelangen, wo er sich zweieinhalb Jahre versteckte und als Zimmermann arbeitete. Er hielt mit den Schwestern Briefkontakt und von Zeit zu Zeit besuchte ihn – große Vorsicht wahrend – eine Schwester, meist war es Faustyna Osińska.

Die Schwestern, die sich dazu entschlossen, ihr Leben Gott zu weihen und unter Seinen Dienst zu stellen, trafen sich in Wilna zu festgesetzten Konferenzen mit dem Priester Prälat Żebrowski, den der Priester Sopoćko um die seelische Betreuung für sie gebeten hatte. Die zeitlichen Gelübde der ersten sechs Schwestern fanden am 11. April 1942, am Vorabend des Festes der Göttlichen Barmherzigkeit, statt. Obwohl sie alle bisweilen bei ihren Familien wohnten, nahm ihr Leben von nun an den Charakter eines Ordenslebens an. Für den Priester Sopoćko war dies das ersehnte Zeichen der Vorsehung Gottes.

Fragment des Briefes aus Czarny Bór:

"Ich gratuliere Euch, liebe Schwestern, der  besonderen Gnade der Barmherzigkeit Gottes, die sich bei Eurer Berufung offenbarte, Auserwählte des Herzens Jesu, Säulen der zukünftigen Ordensgemeinschaft, Vertraute der Geheimnisse Gottes, Ersehnte und Erbetete seit fünf Jahren jeden Tag in jeder Messe".



Nach der Rückkehr des Priesters Sopoćko nach Wilna (19. August 1944) baten die Schwestern darum, ihr Gelübde erneuern zu können. Im Zusammenhang damit fing er mit den "ersten Sechs" am 9. November 1944 die Einkehrtage an, sie dienten als eine direkte Vorbereitung auf die Zeremonie der Gelübdewiederholung, die für den 16. November festgelegt wurden.

M. Sopocko "Erinnerungen":

"Nach den Einkehrtagen kamen an einem bestimmten Tag, früh morgens, weil die Polizeistunde noch galt, sechs Fräulein aus verschiedenen Stadtteilen zur Vorstadt Zarzecze (Vilnius) zur Kapelle der Schwestern Karmelitinnen, wo sie in einer Katakombestimmung nach der Messeanhörung um fünf Uhr ein einfaches privates Gelübde ablegten, dem Barmherzigsten Erlöser und Seiner Mutter der Barmherzigkeit treu zu dienen. Man kann die fröhliche Stimmung, die unter diesen Bräuten Christi herrschte, mit Worten nicht ausdrücken. Während der bescheidenen Mahlzeit, die durch die gastfreundlichen Schwestern Karmelitinnen in der Klosterpforte vorbereitet wurde, wie sie glücklich waren trotz verschiedener Mängel, wie reich trotz der Armut, die überall herausschaute, wie mutig und voll der Hoffnung trotz der Gefahren, die auf jeden Schritt und Tritt lauerten"


In diesem Haus legten die sechs Kandidatinnen die ersten Ordensgelübde ab.
Vilnius - Carmel, Poplawska-Straße 29.


Nach dem Ende des Weltkrieges wurde Litauen im Jahre 1945 der UdSSR angeschlossen.
Es folgte eine Massenumsiedlung der Menschen aus Vilnius und Umgebung nach Polen. Der Erzbischof Jalbrzykowski wurde gezwungen, mit der ganzen Kurie und dem Priesterseminar, Vilnius zu verlassen. In dieser Zeit fuhren auch drei Schwestern nach Polen. In Anbetracht ihrer Ausfahrt wiederholten am 16. November 1945 nur die Übriggebliebenen die Ordensgelübde.
Die Schwestern sehnten sich nach dem Leben im Kloster, nach einem bescheidenen Ort, wo sie in der Gemeinschaft den Barmherzigen Gott loben könnten. Da dies in zu jener Zeit in Wilna nicht möglich war, beschlossen die verbliebenen Schwestern, ebenfalls nach Polen zu fahren. Am 24. August 1946 statteten sie dem Priester Sopoćko ihren letzten Besuch ab, um den Segen und Wegweisungen für das neue Leben zu empfangen.

"Tagebuch" der S. Benigna:

"Unser Transport fuhr leise aus Vilnius aus. Ein Abschnitt unseres Lebens wurde abgeschlossen, wir fahren ins neue Leben, um den Willen Dessen zu erfüllen, Der uns erwählt hat..."



Nach dem Ankommen in Polen am 16. November 1946 versammelten sich noch einmal die sechs Schwester, diesmal in Posen, um ihre Gelübde zu erneuern. Die heilige Messe feierte der Jesuitenpater Siwek. Damals trafen die Schwestern die Entscheidung, in welcher Weise sie die Idee der Barmherzigkeit Gottes im weiteren Leben realisieren würden. Die einen beschlossen, ein Ordensleben zu organisieren, die anderen ein Säkularinstitut zu gründen, und wieder andere, die für ihre Familien verantwortlich waren, mit ihnen als Laien im weltlichen Leben im Geiste verbunden zu bleiben. Auf diese Weise begannen sie, die drei Arten der Berufung zu realisieren, über die Schwester Faustyna sprach.

Die Schwestern Faustina Osińska und Benigna Naborowska beschlossen, das Leben in einer Ordensgemeinschaft zu gründen. In diesem Zusammenhang beschlossen sie sich an einen der Bischöfe zu wenden, um die Genehmigung für die Öffnung eines Ordenshauses in seiner Diözese zu erhalten. Es half ihnen dabei der Jesuit Pater Władysław Wantuchowski, in dem sie nach ihrem Ankommen in Polen einen seelischen Betreuer fanden. Er wandte sich an den Apostolischen Verwalter in Gorzów Wlkp. und bat um Erlaubnis für die Schwestern, sich in dem Gebiet dieser Diözese niederlassen zu dürfen und damit sie einen Dienst bei der Kirche zugeteilt bekämen. Der Apostolische Verwalter stand dieser Bitte freundschaftlich gegenüber und bot ihnen unter anderem eine Pfarrgemeinde in Myślibór an.



Auszüge aus dem „Tagebuch” der Schwester Faustyna Osińska. Die Beschreibung des ersten Besuchs der Schwestern in Myślibór.

"Mysliborz hat eine wunderschöne Lage. (...) auf der linken Seite liegt ein riesiger See, der wie eine metallische Fläche zwischen dem Nebel des aufstehenden Morgens glänzt. (...) Wie waren wir glücklich, als wir ein noch verschlossenes Tor der kleinen Kirche und ein mehrstöckiges Haus mit Veranda und mit einem Schild "Caritas" erblickten. Wir sahen: das war ein Traum-Ort für ein Ordenshaus und wir stießen einen leisen Seufzer aus, dass es wunderbar wäre, wenn wir hier wohnen könnten, (...) viel Grün, Gärten, eine stille abgelegene Gegend auf der Erde, mit einem Ordenshaus. Wir dankten Gott dafür, dass Er uns hier, in diese Stille und Ruhe geführt hat..."



Aus dem „Tagebuch” der Schwester Benigna:

„Am 25. August 1947 um 8 Uhr in der Früh sind wir schon in Myslibór. Herr Jesus hat den Geburtstag der Schwester Faustyna als Neuanfang, als Geburtstag unseres neuen gemeinsamen Lebens auserwählt (...) Wir sind also schon in Myślibór in einem kleinen Haus des Hl. Josef – in der Wiege unseres klösterlichen Lebens. Wir sind hier durch komischen Zufall hergekommen, und eigentlich war es ja der Wille des Allerhöchsten. Wir können unser Glück nicht in Worte fassen. Obwohl alles bei uns nur provisorisch hergerichtet ist, kennt unsere Freude keine Grenzen. (...) Hier in diesem kleinen Häuschen ist der Barmherzige König bei sich zu hause. Sei gelobt Barmherziger Jesu”


Schwester Faustina und Schwester Benigna – die ersten Mütter der neuen Ordensgemeinschaft


Nach vielen Bemühungen (zur Zeit des Kommunismus), begannen die Schwestern Faustyna und Benigna am 25. August 1947 das klösterliche Ordensleben bei der Pfarrkirche in Myślibór, an einer Stelle, die ihnen vom apostolischen Administrator von Gorzów Wielkopolski, Priester Edmund Nowicki, zugeteilt wurde. Über diese Tatsache benachrichtigten sie den Priester Michael Sopocko der sich in Bialystok aufhielt, durch den Erzbischof Jalbrzykowski gerufen wurde und zusammen mit dem letzten Transport der Umsiedler aus Litauen nach Polen kam.

In Bialystok arbeitete der Priester Sopocko als Seelsorger bis an sein Lebensende (ungefähr 30 Jahre). Gleichzeitig hatte er einen ständigen Kontakt mit den Schwestern aus Mysliborz - er wachte über die geistige und materielle Entwicklung der gegründeten Ordensgemeinschaft.



Auszüge aus dem Brief des Priesters Sopoćko an die sich neu gründende Ordensgemeinschaft der Schwestern aus Myślibór:

„Jesus, ich vertraue auf Dich!
Sehr geehrte Damen, ehrwürdige Schwestern

(...) Vor drei Jahren haben Sie in der Kapelle der Karmelitenschwestern in Wilna Ihre Gelübde abgelegt, die seligen Andenkens Schwester Faustyna im Geiste gesehen und genau beschrieben hat. Jene Gelübde waren geprägt von einer Atmosphäre wie in Katakomben; das Durchdringen von dunklen Straßen, bei jedem Schritt die lauernde Gefahr, erwischt zu werden, und sogar eine gewisse Furcht während des Gottesdienstes, ob sie ja niemand heimlich beobachten und verraten würde.

(...) Ich wünsche mir, dass jede von Euch heilig wird. Nicht nach einem vorgegebenen Maßstab, sondern jede individuell gemäß der ihr gegebenen Veranlagungen und Gnaden Gottes, mit der der Barmherzigste Erlöser jede gemäß ihrer Bedürfnisse reichlichst beschenkt. Dafür bete ich während jeder Heiligen Messe. Für jede von Euch einzeln. Für diejenigen, die ich kenne und für diejenigen, die ich vielleicht noch nicht kenne und für alle zusammen. Ich bete für Euch als für die Bräute des Barmherzigsten Erlösers, die Vertrauten Seines Geheimnisses der Barmherzigkeit und die Arbeiterinnen in Seinem Weinberg.

(...) Ihr seid nämlich die ersten Ziegelsteine im Fundament für den Bau, der vom Willen Gottes für die aktuellen Bedürfnisse der Kirche der jetzigen und kommenden Zeit erschaffen werden soll. Und wie bei jedem Gebäude seine Beständigkeit von der Qualität des Fundaments abhängt, so hängt auch die Entwicklung der zukünftigen Ordensgemeinschaft der Dienerinnen des Barmherzigsten Erlösers von Eurer geistigen Reife und Eurer Vereinigung mi dem Barmherzigsten Erlöser ab, von Eurer Selbstverleumdung und Hingabe, von Eurer Schlichtheit und Vernunft, und vor allem von Eurem Vertrauen an die Barmherzigkeit Gottes und dem Eifer, diesen Kult zu verbreiten.




Auch der Jesuit, Pater Józef Andrasz, der Beichtvater der Schwester Faustyna aus Krakau, war mit der neuen Gemeinschaft in Kontakt und stand mit Rat und geistiger Unterstützung zur Seite.

Auszüge aus Briefen des Pater Józef Andrasz an die Schwestern der neuen Ordensgemeinschaft in Myślibór.

Krakau, 7. Januar 1948
„Ich weiß, dass Euch, liebe Schwestern, alles erfreut, was die Entwicklung der Anbetung der Barmherzigkeit Gottes anbelangt. Hier eine schöne Bekundung dessen aus Amerika. Darüber haben sich bereits die Schwestern in Łagiewniki gefreut. So mögen sich auch die Schwestern in Myslibór darüber freuen und aufrichtig für den Pater beten, der ihnen herzliche Grüße für das Jahr 1948 und das Priesterjahr schickt.”



Krakau, 8. Oktober 1948
„(...)Ich weiß, dass alles, was die Barmherzigkeit Gottes und Diejenige anbelangt, die die Güte Jesu zu diesem Werk zu berufen vermochte, Euch lebhaft interessiert. Ich denke, dass Euch der Priester Sopoćko mit jeder Nachricht versorgt.
Es freuen sich die Herzen in der Gemeinschaft der Schwestern der Muttergottes von der Barmherzigkeit, wenn sie eine ihrer Mitschwestern auf dem beigelegten Flugblatt als „Kandidatin für die Seligsprechung” finden. Aber ich denke, dass sich die Dienerinnen der Göttlichen Barmherzigkeit nicht minder freuen werden, denn sie haben in diesem Flugblatt einen Beweis, dass die kirchliche Obrigkeit es den Gläubigen bereits erlaubt, für die Seligsprechung Derjenigen zu beten, die für Euch viel mehr ist als bloß eine unter vielen Schwestern, denn Sie ist schließlich Eure Gründerin und sozusagen Eure geistliche Mutter.
Mit freundlichen Grüßen
Pater J. Andrasz”


Zakopane, 29. Dezember 1950
„Liebe Schwester Benigna, Du liegst nicht falsch, wenn Du schreibst, dass Eure Angelegenheit mir naheliegt und wichtig ist. In ihre Anfänge vermochte der Barmherzige Jesus in kleinen Teilen auch mich einzubinden. Er wollte Diejenige, die Ihr als Eure geistige Gründerin erachtet, durch meine Worte mit viel Licht beschenken...
Mit freundlichen Grüßen
Pater J. Andrasz”


Die Gemeinschaft, die ihre Ordensausbildung unter dem Namen der Dienerinnen der Göttlichen Barmherzigkeit begann, wurde am 2. August 1955 unter dem Namen Gemeinschaft der Schwestern Jesu Christi des Barmherzigen Erlösers im Diözerecht bestätigt. Zu jener Zeit konnte die ursprüngliche Namensgebung aufgrund von theologischen Auseinendersetzungen bezüglich des Barmherzigkeitskultes nicht benutzt werden.

Am 21. August 1955 fanden in der rechtlich schon existierenden Ordensgemeinschaft die ersten ewigen Gelübde statt. Sie wurden durch den Priester Infulat Zygmunt Szelążek in der Anwesenheit des Priesters Michał Sopoćko angenommen. Aus dem Anlass dieser Feier sandte der Pater J. Andrasz an die Schwestern Wünsche und Fragmente aus dem "Tagebuch" der Hl. Schwester Faustyna, das dieser neuen Ordensgemeinschaft galt. Zu diesem Zeitpunkt kannte noch keine von den Schwestern den Inhalt des Tagebuches, weil es bei den Schwestern Magdalenerinnen“ ("Magdalenki") in Krakau aufbewahrt wurde.
Es fing ein neuer Abschnitt der Ordensgeschichte an.



Am 6. August 1955 empfingen die Schwestern das weiße Ordensgewand, das später von der Kurie durch ein schwarzes Gewand ersetzt wurde.


Ein Fragment aus dem Brief des Pater Józef Andrasz TJ: Rabka, 8. August 1955

„Liebe Schwester Benigna,(...) Ich denke, dass es dieses Schreiben noch schafft bis zum Fest Mariä Himmelfahrt anzukommen. So schicke ich für heute den beiden Schwestern Benigna und Faustyna herzliche Glückwünsche, dass der Barmherzige Jesus es ihnen in ihrer Gemeinschaft erlaubt hat, sich als erste durch die ewigen Gelübde ganz dem Dienst, der Hingabe, dem Lieben in dem Geist dieser Gemeinschaft zu weihen, die immer mehr Ströme der Barmherzigkeit Gottes auf die böse, blinde und unglückliche heutige Welt herabrufen sollen.
Liebe Schwestern, ich werde euch mit ganzem Herzen der Allerheiligsten Mutter am Tag Ihres großen Triumphes anvertrauen, damit Sie Euch als Kluge Jungfrau und Sitz der Weisheit viel, sehr viel Licht senden möge, denn schließlich sollt in großem Maße Ihr, liebe Schwestern, diese Gemeinschaft gestalten.
Von Euch gehen die Traditionen aus, ihre innere Inbrunst und ihr äußerer Schwung. Möge Euch an diesem wunderschönen Tag in Eurem Leben der Himmel sein Lächeln, das die Herzen erfreut, und starke Gnaden, die ein großes ‘Gebäude’ erbauen mögen, schenken.
Dem ehrwürdigen Pater Wantuchowski, den die Vorsehung so gütig mit dem Werk der Barmherzigkeit verbunden hat, und der sich so gerne Eurer Gemeinschaft verschreibt, sende ich „plurimam salutem in SS Corde Jesu”. Vielleicht wird sich ein so „schweres Kaliber” wie ich eines Tages in Richtung Szczecin und Myślibór aufmachen. Natürlich werde ich – obwohl ich nichts darüber in den Vorhersagen der Schwester Faustyna herauslesen kann – dem Haus der Barmherzigkeit und dessen Bewohnerinnen, als auch dem ehrbaren Herrn Pfarrer, der mich in Krakau freundlich besucht hat, eine erneute Visite abstatten. Ich habe viel Arbeit. Dazu gehört auch die Fortsetzung der Lebensgeschichte der lieben Schwester Faustyna. Ich schicke Euch beiden, liebe Schwestern, herzliche Grüße und wünsche Euch reiche Gnaden Gottes zum Tag der Gelübde und sende Euch den priesterlichen Segen.
Mit freundlichen Grüßen
Pater J. Andrasz”



In dem "Tagebuch" der Hl. Schwester Faustina befinden sich die Worte des Herrn Jesus, die die Geistigkeit und das Ziel des neuen Ordens bezeichnen:

"... erblickte ich Jesus in unaussprechlicher Schönheit. Er sagte mir, Er verlange, dass die Ordensgemeinschaft so schnell wie möglich gegründet wird. Du wirst mit deinem Mitschwestern in dieser Gemeinschaft sein. Mein Geist wird eure Lebensregel sein. Euer Leben soll sich an Mir ein Beispiel nehmen, von der Krippe bis zum Sterben am Kreuz. Versenke dich in Meine Geheimnisse, du wirst den Abgrund Meiner Barmherzigkeit zu den Geschöpfen und Meine unergründliche Güte begreifen - und diese [Güte] wirst du der Welt zu erkennen geben. Durch Gebet wirst du zwischen Himmel und Erde vermitteln" (Tagebuch, 438).

"Dein Ziel und deiner Gefährtinnen ist es, euch durch Liebe so eng wie möglich mit Mir zu vereinen. Du wirst die Erde mit dem Himmel aussöhnen, den gerechten Zorn Gottes beschwichtigen und für die Welt die Barmherzigkeit erbitten. Ich vertraue dir zwei Perlen an, die Meinem Herzen sehr teuer sind; das sind die Seelen der Priester und Ordensleute. Für sie wirst du besonders beten, ihre Stärke wird in eurer Abtötung liegen" (Tagebuch, 531).

In Glasfenster in dem Hauptaltar der Heilig-Geist-Kirche,
darüber die Schwester Faustina mit dem Priester Sopocko sprach.


Priester Michael Sopocko, Erinnerungen:

"Fast alles, was Schwester Faustina über diese Ordensgemeinschaft voraussagte, verwirklichte sich sehr genau. Als ich in Vilnius am 16. Oktober 1944 nachts die Privatgelübde der ersten sechs Kandidatinnen annahm, oder als ich drei Jahre später zum ersten Haus dieser Gemeinschaft in Myslibórz kam, war ich erstaunt, wie alles der Beschreibung von Schwester Faustina ähnlich war (...). Ich bemerkte in einem Altarschiff ein Fenster mit einem beschädigten Mosaikfenster, das die Agonie des Herrn Jesus auf dem Kreuz darstellte. Ich betrachtete es mit Freude und Erstaunen, weil Schwester Faustina mir über eine solche Kirche und ein Mosaikfenster erzählt hatte".




Die Heilig-Kreuz-Kirche in Mysliborz, gebaut im Jahre 1905 (im Geburtsjahr der Schwester Faustina)
durch polnische Bauarbeiter als einige der wenigen katholische Kirche auf deutschem Boden.



HEILIGTUM DER BARMHERZIGKEIT GOTTES - ekserztienhaus.
Mutterhaus der Ordensgemeinschaft der Schwestern vom Barmherzigen Jesus
- Myslibórz (Polen)


Die Reliquien der Hl. Faustina wurden am 1. August 1993 in das Kloster in Myslibórz durch
Priester Erzbischof M. Przykucki überführt. An diesem Tag wurden die Kirche und das Kloster
von ihm zum Heiligtum der Barmherzigkeit Gottes ernannt.


Ein neues Haus der Gemeinschaft in Mysliborz.
Die Gebäude mit ihrer kompletten Ausrüstung wurden für das Haus der Ordensformation
vom Herrn Roman Kluska (Der polnische Geschäftsmann) geschenkt.


Am 14. Februar 2004 weihte der Priester Erzbischof Zygmunt Kaminski
das Haus der Ordensgemeinschaft und die JESUS, KÖNIG DER BARMHERZIGKEIT- Kapelle.


"Ich sah das Kloster des neuen Ordens:
Ausgedehnte, große Räume. Ich besichtigte alle Gegenstände nacheinander.
Ich sah, daß Gottes Vorsehung das Notwendige besorgt hat" (Tagebuch, 1154).



Im Jahre 1973 (zwei Jahre vor dem Sterben des Gründers der Ordensgemeinschaft
Pr. Michael Sopocko) bekam die Ordensgemeinschaft den neuen Kürznamen - der Schwestern vom Barmherzigen Jesus. Zurzeit führt die Ordensgemeinschaft der Schwestern vom Barmherzigen Jesus eine apostolische Tätigkeit, sie versucht die aktuellen Bedürfnisse der Kirche zu beantworten. Die Schwestern dieser Ordensgemeinschaft verbreiten den Kult der Barmherzigen Jesus und erbitten durch Gebet die Barmherzigkeit Gottes für die ganze Welt, in 33 Ordenshäusern in Polen und im Ausland. Sie leiten unter anderen: ein Hospiz, ein Haus für Schutz des empfangenen Leben, machen Exerzitien und halten Katechesen.




"Sein Gedanke [Priester Michael Sopocko] ist eng mit Meinem verbunden;
sei deshalb hinsichtlich Meines Werkes beruhigt;
Ich lasse nicht zu, dass er sich irrt und du unternimm nichts,
ohne seine Erlaubnis" (Tagebuch, 1408).


Am 13. Mai 2008 wurde die Ordensgemeinschaft der Schwestern vom Barmherzigen Jesus
als Ordensinstitut auf den Papstrechten bestätigt. (siehe - Dekret)

 

 

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