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DER SELIGE PRIESTER MICHAEL SOPOCKO
(1888-1975)



Der Selige Priester Michael Sopocko, Beichtvater und Geistlicher Führer der Schwester Faustina, war durch ihre Vermittlung mit dem Geheimnis der Erscheinungen vom Barmherzigen Jesus direkt verbunden. Gott hat für ihn eine ungewöhnlich wichtige Rolle bestimmt. Realisation der von Jesus an Sr. Faustina überwiesene Mission. Diesem Werk hat er fast sein ganzes Leben gewidmet.



Michael Sopocko wurde am 1. November 1888 in Nowosady (bei Wilno) in Litauen, in adeliger Familie mit patriotischen Traditionen geboren. Trotz der schwierigen Lebensumstände haben die Eltern seine Hauptausbildung besorgt. Schwere Arbeit im Acker, die Notwendigkeit des stetigen Kampfes ums Überleben der Familie, hat für Spockos Familienglieder die Schule des Lebens ausgemacht und deren Charakter gebildet. Eine gute moralische Einstellung der Eltern, ihre tiefe Frömmigkeit und ihre gegenseitige Liebe hatten die seelische Entwicklung Michaels und seiner Geschwister entsprechend beeinflusst.
Sowohl gemeinsame tägliche Gebete als auch regelmäßige Anwesenheit im Gottesdienst wurden in der Familie praktiziert. In die 18 km entfernte Kirche fuhr die Familie mit einem Pferdegespann. Die zuhause herrschende Atmosphäre erweckte in Michael schon seit Kindheit eifrige Frömmigkeit und den Wunsch sich ganz dem Dienst im Priestertum aufzuopfern.



1910 begann Michael vierjährige Studien im Priesterseminar in Wilno, die er dank des vom Rektor erhaltenen Stipendiums fortführen konnte. Am 15. Juni 1914 wurde er zum Priester geweiht.

Erste Jahre des priesterlichen Wirken in Wilno


Michael wurde als Kaplan zur Pfarrei Taboryszki in Wilno gesandt. Neben seinen Pflichten führte er in Eigeninitiative eine Katechese mit der Jugend durch. Das erste Jahr als Seelsorgearbeiter wurde mit einer großen Erstkommunionfeier (ca. 500 Kinder) belohnt. Im Sommer 1915 weilte über Taboryszki die deutsch-russische Front des Krieges. Kaplan Sopocko hielt trotz Gefahr des Krieges Gottesdienste ab und nahm am Pfarrgemeindeleben teil.


Priester Michael zwischen Telnehmern des Sommerferienkurses in Wilno


In Taboryszki engagierte sich Priester Sopocko in Sachen Bildung und eröffnete in Nachbarortschaften neue Schulen. Diese Tatsache wurde Ursache zur Verfolgung des Priesters durch die deutsche Besetzungsmacht die anfangs tolerant für seine Tätigkeit war und ihn sogar finanziell unterstützt hatte. Sie fingen an die Ausfahrt von Sopocko nach Wilno zu verhindern und erschwerten das herbeiholen der Lehrer in den neu entstandenen Schulen. Durch diese Art wurde er gezwungen Taboryszki zu verlassen.



Im Jahre 1918 bekam Sopocko von der Kirchenbehörde in Wilno die Erlaubnis zur Ausreise
nach Warschau um in der dortigen Universität Theologie zu studieren. Krankheit und die politische Situation in Polen haben leider das Studium verhindert. Als er nach der Behandlung nach Warschau zurückkehrte um das Studium wieder aufzunehmen, stellte sich heraus, dass die Universität wegen der Kriegsoperationen geschlossen worden war. Priester Sopocko meldete sich daraufhin freiwillig als Feldgeistlicher. Der Feldbischof ernannte ihn zum Feldgeistlichen und entsandte ihn zum geistlichen Dienst ins neu gegründete Feldkrankenhaus nach Warschau.


Nach dem ersten Dienstmonat im Krankenhaus bat er um Versetzung an die Front. Er wurde
zum Regiment nach Wilno geschickt. Dort fing er seinen Dienst zwischen Soldaten an.
Außer dem sakramentalen Dienst erteilte er sich in kritischen Zustand befindlichen Kriegsverwundeten Hilfe. Nach langem Marschieren mit dem kämpfenden Regiment zeigten
sich bei Sopocko erneut gesundheitliche Probleme. Er wurde deshalb zur Behandlung
in das Militärkrankenhaus eingewiesen, wo er während der mehreren Wochen dauernden Rehabilitation auch als geistlicher Betreuer der Kranken diente. Nach der Kur wurde ihm
die Funktion als Feldgeistlicher im Schulungslager der Offiziere in Warschau erteilt.
Seine Pflichten waren dort jede Woche religionsmoralische Gespräche mit Offizieren
und Unteroffizieren verschiedener Formationen zu führen sowie geistlicher Dienst in zwei militärischen Krankenhäusern zu verrichten.


Im Rahmen führender Vorträge behandelte Sopocko Probleme aus Dogma und Geschichte
der Kirche. Er besprach sowohl den Katechismus als auch aktuelle Themen des militärischen Dienstes. Die von ihm berührte religionsmoralische und patriotische Problematik wurde
von seinen Vorgesetzten hoch angesehen. Seine Arbeiten wurden gedruckt und die Offiziere
aller Regimente wurden verpflichtet, diese Arbeiten allen Rekruten bekannt zu machen.


Priester Sopocko als Feldgeistlicher im Offizierslager in Powaski


Im Oktober 1919 wurde trotz des Krieges die Tätigkeit an der Universität wieder aufgenommen. Priester Sopocko meldete sich an der Sektion Moralische Theologie auf Vorträge über Rechte und Philosophie. Von diesem Moment an musste er seine Zeit zwischen Studien und geistlichem Dienst in der Armee teilen. Zusätzlich war er auch noch mit der Organisation der sozialen Tätigkeit beschäftigt. Er hielt Wache über das Funktionieren der "brüderlichen Solidaritätshilfe". Er war Vorsitzender der Soldatengastwirtschaft und einer Schule für verwaiste Kinder von Soldatenfamilien.


Im Sommer 1920 war er Zeuge des Frontscheiterns und gleich danach erlebte er in Warschau den heldenhaften Sieg über die sowjetische Armee. Nach Jahren der Erinnerung kommentierte Priester Sopocko dieses Ereignis als außergewöhnliches Werk göttlicher Vorsehung und Zeichen der Barmherzigkeit Gottes für Polen, erbeten durch Gebete der Gläubigen, die im August zahlreich die Kirchen füllten.


Während der Amtszeit als Feldgeistlicher und moralischer Theologiestudent nahm er zusätzlich das Studium in der Pädagogischen Hochschule auf. 1923 bekam er den Titel als Magister der Theologie und beschäftigte sich im Fachbereich Pädagogik. Aufgrund von Forschungsergebnissen wurden "Negative Auswirkungen von Alkohol auf die Entwicklung jugendlicher Begabung" Basis für seine Diplomarbeit. "Alkoholismus und Schuljugend"
war die von Erfolg gekrönte Studie im Pädagogischen Institut.



Der Bischof von Wilno, Jerzy Matulewicz, wusste von den Verdiensten und Erfolgen als auch
von der theologischen und pädagogischen Vorbereitung von Priester Sopocko und wollte ihn
für die Arbeit in der Diözese gewinnen. Anfangs wollte er ihm die Organisation der Jugendseelsorge anvertrauen. Priester Michael nahm den Vorschlag des Bischofs an und kehrte zur Arbeit nach Wilno zurück. Die formale Entscheidung folgte im Herbst 1924. Mit Rechtskraft wurde Priester Sopocko zum Leiter des militärischen Seelsorgebezirkes in der Region Wilno ernannt. Dieser Bezirk umfasste 12 selbstständige Einheiten, die zusammen über zehntausend Soldaten zählten. Die Versetzung Sopockos nach Wilno war eine Beförderung, was ihm jedoch größere Verantwortung und Aufgaben abverlangte.


Michael als Feldgeistlicher


Priester Sopocko und andere Feldgeistliche beschlossen auf den Konferenz, dass neben sakramentalem Dienst in jeder militärischen Abteilung einmal alle zwei Wochen religionsmoralische Gespräche geführt werden sollten. Priester Sopocko nahm auch
die ihm vom Bischof anvertraute Aufgabe auf, die Jugend zu organisieren. Er lud die Lehrer
zur Mitarbeit ein. Mit deren Hilfe gelang es ihm einige polnische Jugendbünde zu gründen.


Priester Sopocko mit Organisatoren und Mitgliedern des Jugendbunds (Wilno 1926)


Trotz zahlreichen Pflichten als Seelsorger führte Sopocko das Theologische Fernstudium
an der Warschauer Universität fort und arbeitete an seiner Doktorarbeit in Moraltheologie
mit dem Titel: "Familie in Gesetzgebung auf polnischer Erde". Seine Doktorarbeit bestand
er am 1. März 1926. Die Beschäftigung mit dieser Lehre verlangte fremdsprachliche Kenntnisse. Zu diesem Zweck lernte er deutsch, englisch und französisch. Gro0es Interesse unter den Gläubigen fanden die Katechesen und Lehren, die Sopocko den Soldaten auf Russisch verkündete.


Nach dem erzielten Doktortitel bereitete er die nächste Arbeit vor; diesmal Habilitationsbreit. In den Jahren 1927-1928 amtierend als Leiter des militärischen Seelsorge Bezirks, bekam
er eine weitere, sehr verantwortungsvolle Stelle: Geistlicher Vater im Seminar und Leiter
der Kathedrale für Pastorale Theologie an der Universität in Wilno
. Das neue Amt zwang ihn zum allmählichen Verzicht auf die militärische Seelsore.



Priester Sopocko war geistlicher Vater und zugleich ein Moderator der "Sodalicja Marianska"
des Eucharistischen Kreises im Dritten Franziskanerorden und im Kreis des Missionarischen Klerusbundes. Ein weiterer Dienst, der die ganze Zeit in Wilno ausübte, war die Beichte
der Ordensschwestern. Nachdem er teilweise von der militärischen Seelsorge befreit war, beschäftigte er sich neben der Aufgabe als geistlicher Vater in Seminaren mit Vorträgen
und wissenschaftlicher Arbeit. Weil es in der Zeit an entsprechenden Lehrbüchern fehlte, bearbeitete er selbst die Hefte für die von ihm geführten Fächer. Später von Studenten vervielfältigt, machten sie eine wesentliche Studienhilfe aus.


Die wissenschaftlichen Forschungen von Sopocko waren hauptsächlich mit Habilitationsarbeit verbunden und betrafen die Probleme der Erziehung und geistliche Formation. Um den Lehrstoff für seine Arbeit zu sammeln, reiste er im Sommer 1930 zu Bibliotheken in westliche Länder Europas aus. Diese Reise war furchtbar für ihn sowohl in wissenschaftlicher als auch religiöser Hinsicht. Außer Habilitationsarbeit schrieb er wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Artikel. Im Bereich der pastoralen Theologie verfasste er Artikel zu kirchlicher Enzyklopädie, hielt Vorträge und beschäftigte sich mit wissenschaftlicher Publizistik. Immer mehr in wissenschaftliche Arbeit engagiert, bat er den Feldbischof und Erzbischof um die Entlassung aus dem Dienst als Feldgeistlicher und aus der Funktion als Geistlicher Vater. Er erhielt die Erlaubnis, wenn auch nicht sofort.


Seit September 1932 wohnte Priester Sopocko bei den Ordensschwestern "Wizytki",
wo er das Schreiben seiner Habilitationsarbeit mit dem Titel: "Das Ziel, Subjekt und Objekt
der geistlichen Erziehung nach M. Leczycki" in Ruhe zu Ende bringen konnte. Am 15. Mai 1934 wurde er habliiert. Nach der Habilitation wurde er vom Ministerium für Religiöses Glaubensbekenntnis und Öffentliche Aufklärung zum Dozenten der Warschauer Universität
ernannt, ebenso erhielt er den gleichen Titel für die Kathedrale der Pastoralen Theologie
der Stefan-Badtory-Universität in Wilno.


Zwischen Studenten der Stefan-Badtory-Universität in Wilno



BEGEGNUNG MIT SCHWESTER FAUSTINA



Seit 1932 war Priester Sopocko Beichtvater bei den Ordensschwestern der Schwestern
der Muttergottes der Barmherzigkeit, die damals ihr Haus in Wilno (Vilnius, Litauen) hatten.
Hier traf er Schwester Faustina, die im Mai 1933 nach der Ankunft in Wilno seine Penitentin
wurde (siehe Erinnerungen). Die Begegnung wurde wesentlich für sein weiteres Leben
und zukünftige Mission. In der Person Schwester Faustinas begegnete ihm eine Verehrerin
de Göttlichen Barmherzigkeit, die er im eigenen Leben erfuhr und dafür Gott verehrte.
Sr. Faustina fand in Priester Sopocko einen lichtreichen Beichtvater und geistlichen Führer.
Sie fing an, immer öfter ihre Erlebnisse, verbunden mit der Erscheinung vom Barmherzigen Erlöser, zu erzählen. Aus Zeitmangel empfahl Priester Sopocko der Sr. Ihre innerlichen Erfahrungen in ein Heft zu schreiben. In seiner Freizeit las er das . Auf diese Art und Weise
ist das geistliche Tagebuch von Sr. Faustina entstanden.


Sr. Faustina informierte Priester Sopocko in Bezug auf Erscheinungen, die sie vor und nach
der Ankunft in Wilno erfahren hatte, wie Jesus ihr es aufgetragen hatte. Jesu Wunsch war es, das Bild vom Barmherzigen Jesus malen zu lassen (siehe das Bild), das Bemühen einen neuen Feiertag einzuführen (siehe der erste Sonntag nach Ostern) und eine neue Ordensgemeinschaft zu gründen (siehe neuer Orden). Die Realisierung der Aufgaben wurde Sopocko durch die Vorsehung Gottes anvertraut.



Im März 1934 war Sopocko auf Pilgerschaft im Heiligen Land. Das war ein großes Erlebnis für ihn, was er später in Erinnerungen sowie in Berichten bei seinen Publikationen zum Ausdruck brachte. Im Juni 1934 wurde Priester Sopocko Rektor der Kirche zum Heiligen Michael in Wilno. Dieses Ereignis war in späteren Jahren von großer Bedeutung. In der Kirche wurde am 4. April 1937 auf Wunsch von Jesus selbst das erste Bild vom Barmherzigen Jesus geweiht und aufgehängt. (siehe Bildgeschichte)


Im März 1936 verließ Sr. Faustina Wilno. Priester Sopocko blieb mit ihr in Briefkontakt und besuchte sie in Kraków (Polen). Er realisierte auch das ihm anvertraute Werk, den barmherzigen Jesus der Welt näher zu bringen. Anhand der Kirchenlehre suchte er die theologische Begründung der Existenz der Eigenschaft von Barmherzigkeit in Gott und suchte Gründe für die Einführung des neuen Feiertages auf Jesu Wunsch. Die Ergebnisse seiner Forschung und Argumentation für die Einführung des Feiertages stellte er in einigen Artikeln theologischer Magazine dar. Auch in getrennten Arbeiten zum Thema: "Die Idee der göttlichen Barmherzigkeit".


Im Juni 1936 gab er in Wilno die erste Broschüre mit dem Bild des Barmherzigen Jesus auf dem Umschlag heraus. Diese Publikation schickte er an alle Bischöfe, die auf der Episkopatkonferenz in Czestochowa (Tschenstochau, Polen) anwesend waren, ihm jedoch keine Antwort gaben. Die zweite Broschüre mit dem Titel "Barmherzigkeit Gottes in der Liturgie" gab er im Jahre 1937 in Poznan (Posen, Polen) heraus.


Zum Ende des Jahres 1937 wurde der gesundheitliche Zustand von Sr. Faustina bedeutend schlechter. Priester Sopocko besuchte si in Kraków Anfang September 1938, schon fast im Sterben liegend (siehe Ordensgemeinde). Sr. Faustina verstarb am 5. Oktober 1938. Nach dem Kriegsausbruch 1939 beschloss Priester Sopocko die Sache mit der Erscheinungen von Sr. Faustina nicht mehr zu verheimlichen, denn es wurde spürbar, dass die Kriegstragödie und die damit verbundenen Ereignisse die Berichte aus den Erscheinungen bestätigen.


Mit der Idee der Göttlichen Barmherzigkeit ist der Bau der Kirche in Wilno unter diesem
Namen verbunden. 1938 wurde eine Leitung zum Kirchenbau berufen die bald die Bestätigung der Kreisverwaltung und des Erzbischofs R. Jalbrzychowski erhielt. Mit dem Kriegsausbruch und dem Einmarsch der russischen Armee in Wilno unterbrach die neue politische Situation
das angefangene Werk und machte es schließlich ganz zunichte. Der angesammelte Baustoff wurde von der sowjetischen Armee geraubt. Das Geld für den Bau verschwand von den Banken. Priester Sopocko bemühte sich 1940 bei der Besatzungsmacht um die Erlaubnis, wenigstens eine Kapelle bauen zu dürfen, bekam aber keine Zustimmung.



Die schwierige Situation des Krieges, die immer breitere Flächen Europas einnahm, die peinliche Kränkung von Menschen vieler Nationen und das Verbreiten des Bösen stärkte bei Sopocko immer mehr die Überzeugung vom Bedarf des erbarmen Gottes über die Welt. Er begann also mit noch größerer Überzeugung die Idee de Göttlichen Barmherzigkeit zu verkünden, in welcher er eine Rettung für die Welt sah. Die Pfarrer aus Wilno und Umgebung luden ihn zur Konferenz ein.


In der Fastenzeit verkündete Priester Sopocko im Dom zu Wilno in den Passionsgottesdiensten die Predigten von der Göttlichen Barmherzigkeit. Zum Gottesdienst kamen viele Gläubige und die Predigten fanden großes Echo in der Stadt. In dieser Zeit begann Priester Sopocko mit der Bearbeitung des Traktates von der Idee der Göttlichen Barmherzigkeit sowie den Bedarf einen neunen Feiertag zu seiner Ehre einzuführen: "De Miserikordia die deque eiusdem festo instituendo". Zu dieser Arbeit ermutigte ihn noch vor dem Krieg Kardinal Hlond, dem Sopocko seine wissenschaftliche Forschung betreffs der Barmherzigkeit Gottes vorzeigte.


Im Juni 1940 wurde Litauen erneut von der russischen Armee besetzt und nach einem Monat
als fünfzehnte Republik der Sowjetunion angeschlossen. Priester Sopocko musste das Treffen mit organisierten Gruppen, deren Betreuer er war, unterbrechen. Er hatte auch keine Möglichkeit das Traktat von der Göttlichen Barmherzigkeit auszugeben. Zur Hilfe kam ihm Jadwiga Osinska, die sich als Profi der klassischen Philosophie, mit der sprachlichen Seite des Traktates beschäftigte. Sie kopierte das Traktat in Konspiration mit Hilfe von Bekannten.


Dann sorgte sie dafür, dass diese Exemplare zu Personen kamen, die eine Möglichkeit hatten, aus Wilno auszufahren. Afu diesem Weg ist das Werk von Sopocko in mehrere Länder, vor allem zu Bischöfen Europas und der Welt gelangt. Priester Sopocko wurde wegen seiner Verkündigung der Göttlichen Barmherzigkeit und der Verbreitung dieses Kultes von der Gestapo gesucht. Gewarnt von einer Beamtin aus dem Meldungsbüro, floh er vor der Festnahme. Zur Sicherheit verließ er Wilno. Als die Gefahr vorbei war, kehrte er nach Wilno zurück und hielt vorträge im geistlichen Seminar, wo trotz der schwierigen Lebensumstände des neue akademische Jahr 1940/1941 begonnen wurde. Wieder wohnte er bei der Kirche des Heiligen Michael, wo früher immer mit größerer Ehre das Bild vom Barmherzigen Jesus ausgehängt wurde.


Am 22. Juni 1941 brach der deutsch-sowjetische Krieg aus. Wilno befand sich bald unter neuer Besatzung. Besondere Diskriminierung hatte das Jüdische Volk zu erleiden. Priester Sopocko machte schon vor dem Krieg Katechesen und traf Vorbereitungen zur Taufe von Juden. Die Früchte dieser Bemühungen waren zirka 65 getaufte Personen. Priester Sopocko erteilte
den Juden materielle und geistliche Unterstützung. Derartiges Verhalten drohte mit schweren Konsequenzen, einschließlich mit dem Verlust des eigenen Lebens. Die Gestapo kam seiner Tätigkeit auf die Spur und nahm ihn für einige Tage fest.


Ende 1941 verstärkten die Deutschen den Besatzungsterror. Am letzten Sonntag des Advents wurden alle Kirche in Wilno wegen angeblicher Epidemie geschlossen. Danach wurden die Priester festgenommen. Am 3. März 1942 unternahmen die Deutschen eine Großaktion gegen Geistliche. Fast alle Priester, Professoren und Alumnen des Seminars in Wilno wurden festgenommen. In der Wohnung Sopockos wurde auch eine Falle vorbereitet.
Von seiner Dienerin gewarnt, erreichte er die erzbischöfliche Kurie um den Erzbischof von
der drohenden Gefahr zu benachrichtigen. Priester Sopocko bat um Entlassung aus Vorträgen und um den Segen für die Zeit der Verbergung.


Verkleidet verließ er Wilno, um das Kloster in Czarny Bor zu erreichen. Die Schwestern "Urszulanki" erteilten ihm Zuflucht und Hilfe in einem Haus am Waldrande, das sie gemietet hatten. Er wurde in ganz Wilno von der Gestapo gesucht. Sie fragten besonders in Pfarrhäusern und unter Priestern nach ihm. Kurz darauf wurde Erzbischof Jalbrzychowski, der im Kloster Marianum wohnte, festgenommen und in Mariampol interniert.


Priester Michael Sopocko in Czarny Bor bei den Schwestern "Urszulanki"


Durch die Vermittlung von Vertrauenspersonen bekam Priester Sopocko einen Personalausweis mit dem Namen Waclaw Radziewicz. Seit dieser Zeit galt er als Schreiner und Zimmermann und machte einfache Geräte und Werkzeuge für örtliche Einwohner. Jeden Tag früh morgens
hielt er die heilige Messe. Danach nahm er sich viel Zeit für das Gebet und persönliche Reflexion. Alle paar Wochen besuchte er das Schwesternhaus in Czarny Bor, um die Beichte abzunehmen. Außerdem beschäftigte er sich mit der wissenschaftlichen Arbeit anhand der Literatur, die er von Osinska und ihren Bekannten bekam.


Im Herbst 1944, trotz der ungewöhnlich schwierigen Lebensumstände, beauftragte Erzbischof Jalbrzykowski die Eröffnung der Vorträge im geistlichen Seminar. Nach zwei Jahren des Lebens in Verbergung kehrte Priester Sopocko nach Wilno zurück und nahm die ihm auferlegten Aufgaben auf. Jeden Sonntag fuhr er zusammen mit anderen Professoren und Alumnen zur Dorpfarrei, um auf dem Feld die Opfergaben zu sammeln, damit die Studenten
im Seminar existieren konnten. Priester Sopocko arbeitete als Seelsorger und verkündigte die Barmherzigkeit Gottes außerhalb von Wilno. Trotz der antireligiösen Einstellung tolerierten die Republikmächte anfangs die seelsorgliche Tätigkeit der Priester. Allmählich jedoch begannen sie diese Arbeit zu beschränken, besonders die Jugend- und Kinderkatechese. Obwohl das Treffen immer heimlich veranstaltet wurde, war es trotzdem zu den Führungsorganen vorgedrungen. Priester Sopocko wurde zum Polizeirevier bestellt. Es zeigte sich die reale Gefahr der Sanktion und es drohte im die Deportation nach Sibirien.


Zusammen mit diesen Ereignissen bekam Sopocko im Juli 1947 von Erzbischof R. Jalbrzychowski aus Bialystok durch die Vorsehung Gottes bestimmt, eine Aufforderung zur Arbeit in Polen. Darum beschloss er Wilno schnellstens zu verlassen, denn die Zeit der Repatriierung Polens aus Litauen endete. Vor der Reise, in der Hoffnung die Trennung von Wilno sei nur kurz, besuchte er die Kapelle der Barmherzigen Muttergottes in Ostra Brama. Ende August 1947 reiste er nach Bialystok. Das war der letzte Transport von Polnischen Menschen nach Polen.



Nach der Ankunft in Bialystok (Polen) meldete sich Sopocko bei Erzbischof Jalbrzykowski für neue Aufträge und Funktionen. Ende September 1947 reiste er für ein paar Tage nach Myslibórz, wo Jadwiga Osinska und Isabella Naborowska (die ersten Oberinnen des neu gegründeten Ordens) den Anfang des gemeinsamen Ordenslebens organisierten. Dies war das erste Treffen mit den Schwestern nach ihrer Ausfahrt aus Wilno. Seit der Zeit hielt er stetigen Kontakt mit den Schwestern, diente mit Rat und geistlicher Stütze und wachte über die Entwicklung des gegründeten Ordens.


Priester Michael Sopocko mit geistlichen Töchtern 1970


Professor der diözese am geistlichen hochseminar in Bialystok (Polen)


Im Oktober 1947 begannen die Vorträge im Geistlichen Seminar in Bialystok. Priester Sopocko führte die gleichen Vorträge wie in Wilno (Vilnius, Litauen): Katechese, Pädagogik, Psychologie und Philosophiegeschichte. Die Arbeit und Anwesenheit Sopockos im Seminar war nicht nur auf die Vorträge begrenzt, sondern er war auch Beichtvater der Alumnen. Auf Bitte des geistlichen Vaters hielt er oft Exerzitien für sie ab. Er führte zugleich Seelsorge- , religiös- soziale Bildungstätigkeit. Ein wichtiger Teil seiner Tätigkeit war Bildungsarbeit in der Gesellschaft.


Am meisten engagierte ihn die Verbreitung des Kultes der Göttlichen Barmherzigkeit.
Diesem Werk war er bis zum Ende treu und hingeben. ER lies sich nicht abschrecken durch Hindernisse der kultapprobaten Kirchenmacht, die Unrichtigkeiten in dem spontanen und vom
Volk verbreiteten Kult sah. Ursache dessen waren verschiedene Publikationen, die nicht immer genau die Idee der Barmherzigkeit formulierten. Priester Sopocko korrigierte unermüdlich die Fehler und erklärte die theologische Basis für diesen Kult.



Ähnlich wie in Wilno auch in Bialystok war Priester Sopocko Beistand der Ordensschwestern.
Er beichtete unter anderem Schwestern aus der Gemeinde, Missionarinnen der heiligen Familie, die damals das Haus in der Polesksstraße hatten. Wenn er sie in seinem Dienst besuchte, bemerkte er die Möglichkeit, seinen Dienst für die örtlichen Einwohner zu verbreien.
Dank seinem Bemühen wurde am 27. November 1957 am Christ-König-Feiertag
im Schwesternhaus die Kapelle zu Ehren der Heiligen Familie geweiht.


Als er bereits pensioniert war, wohnte er bei den Schwestern, wo er bis zum Ende seines Lebens als Seelsorger für die örtlichen Einwohner diente. Die reiche Priesterpersönlichkeit von Sopocko, sein Geist und seine Autorität hatten ihre Grundlage in ungewöhnlichen Lebenserfahrungen. Dabei war es sehr bescheiden, was die Gläubigen anzog. Heute befindet sich hier eine Stube zu seinem Andenken und im Ordenshaus der Schwestern vom Barmherzigen Jesus.



Ordenshaus der Schwestern vom Barmherzigen Jesus.


Ende der fünfziger Jahre unternahm Sopocko eine Initiative eine Kirche zu bauen, diesmal
in Bialystok. Er kaufte ein Grundstück mit einem Haus, deren Kosten er mit eigenen Ersparnissen deckte. Mit dem Projekt des Kirchenbaues verband er frühere Pläne, in Wilno einen Tempel unter dem Namen der Göttlichen Barmherzigkeit zu bauen. Auch diesmal musste er sich damit abfinden, dass seine Absichten schief gehen.
Während des Verkündens der Exerzitien für Priester 1958 verletzte Priester Sopocko sich seinen Gesichtsnerv. Lautes Sprechen zu größerem Auditorium kostete ihn seitdem viel Kraft. Negative Spuren in der Gesundheit hinterließ bei ihm auch ein Autounfall, den er im Februar 1962 in Zakopane erlitten hatte. Dort nahm er an einem Treffen von Professoren in pastoraler Theologie teil. IN dieser Situation wurde es notwendig, sich pensionieren zu lassen.


Der schnelle Übergang zur Pension überraschte Sopocko. Immer tätig engagiert in vielen Arbeiten und Pflichten, hatte er zum ersten Mal im Leben (außer der Zeit in der Verbergung in Czarny Bor) unbeschränkt zu seiner eigenen Verfügung.


Beim Priesterdienst in der Kapelle in der Poleskastraße beschäftigte er sich mit der Ausfertigung von angefangenen Arbeiten betreffend der Ideen der göttlichen Barmherzigkeit. Als sich das Klima um die Sache veränderte, opferte er sich dafür mit neuem Eifer auf. Da er mehr Zeit hatte, beschäftigte er sich mit der wissenschaftlichen Bearbeitung des Vertiefens der Idee der Barmherzigkeit Gottes. ER hatte viel Arbeitsstoff gesammelt, hatte neue Reflexionen gehabt und angefangene Bearbeitungen. Und er fing fleißig zu schreiben an. Das Ergebnis waren viele Werke, im Vordergrund das vierbändige Werk "Barmherzigkeit Gottes in seinen Werken".


Dank der Opferbereitschaft der im westen lebenden sich in der Sache der Barmherzigkeit engagierten Menschen, wurde das Werk ins Englische übersetzt und herausgegeben. Der erste Band auf polnisch wurde in London 1959 herausgegeben; die anderen drei in den sechziger Jahren in Paris. Wichtige Umstände die das Engagement von Sopocko aufbauten, waren ein Fakt der ständigen Entwicklung der Andacht zur Barmherzigkeit Gottes sowie das Interesse
der Theologen an dieser Idee. Der wesentliche Impuls und die Ermutigung zur Missionsarbeit für die Sache der Barmherzigkeit war der 1965 vom Krakauer Erzbischof Karol Wojtyla angefangene Informationsprozess zur Seligsprechung von Schwester Faustina.


Priester Sopocko war auch in dem Prozess engagiert und zeigte sich in der Rolle eines Zeugen. Er erlebte zwei schöne Jubiläen von fünfzig und sechzig Jahren Priesterdienst. Am erbauendsten an diesen Feiertagen waren die Reden des Jubilars. Müde und vom Alter gekennzeichnet sowie schmerzlichen inneren Erfahrungen nahte sein Lebensende. In seiner letzten Rede in diesen Tagen drückte er zuerst tiefe Dankbarkeit gegenüber Gott für seine Priestergabe aus. Zunächst gestand er in tiefer Demut, dass er in seinem Priesterleben nicht immer seiner Aufgabe treu war, wofür er Gott um Verzeihung bitten möchte auch die Anwesenden um ihr Gebet, dass der barmherzige Gott ihm seine Untreue vergeben möge.


Diese Feier war in Gedanken der Teilnehmer eine sehr verspätete moralische Belohnung
für den ehrwürdigen, sehr verdienten Priester für die Angelegenheiten Gottes. Einziges Zeichen der Anerkennung für die vielfältigen Verdientste für die Kirche der Erzdiözese in Bialystok war das Ernennen der Priesterjubilare am Ende seines Lebens 1972 als allgemeiner kanonischer Domkapitular.



Priester Sopocko war Zeit seines Lebens ein Tatenmensch gestärkt durch seine starke Grundlage des Geistes. Als seine physische Leistungen nachließen wurde die geistliche Sphäre Platz für sein Engagement und Dienst an der Sache Gottes.



Zitate aus der Lektüre in seinem Tagebuch zeigen, dass er gerade so seinen letzten Dienst begriffen hat:

"Das Alter soll man behandeln als Berufung
zur größeren Liebe Gottes und den Nächsten. Gott hat für die Alten neue Pläne.
Er will sich dem Menschen von Angesicht zu Angesicht zeigen.
Der einzige Akt wozu wir begabt sind ist das Gebet.
In dieser tätigen Passivität bereitet sich alles vor,
entscheidet sich alles und arbeitet zahlt sich alles aus.
Der Himmel wird ein VATER UNSER rufen".




DAS HEILIGTUM DER BARMHERZIGKEIT GOTTES in Bialystok (Polen), Radzyminska-Straße 1
ist Ort der ewigen Ruhe und der sterblichen Überreste des Priesters.


Die Seligsprechung von Michael Sopocko fand am 28. September 2008 im Heiligtum
der Barmherzigkeit Gottes in Bialystok (Polen) statt. Dieses Ereignis ist Grund dafür seine Person den Gläubigen, besonders den Verehrern der göttlichen Barmherzigkeit, näher vorzustellen.

 

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